Vier Szenen/Geschichten aus René Seim - "Fliegende Fenster"

ISBN: 978-3-00-058066-6


Gesucht, gefunden

Dort vorn zum Beispiel!

Nein, andere Straßenseite.

Drüben, vor dem Bäcker.

Genau!

Das ist so ein typisches Gesicht von jemandem, der durchdreht.

Wenn der …

Moment, ich hol mal die zwei jungen Männer vom Gemüsestand.

Okay! Alles gut.

Wir sind jetzt zu dritt.

Wir laufen zielsicher auf ihn zu und wollen mal sehen.

Oh, oh!

Er hat uns schon bemerkt!

Seine Augenbrauen verdunkeln misstrauisch seine Sicht.

Typisches Zeichen!

Wir sind nicht mehr weit von ihm.

Er wird schon skeptisch.

Aber er kaschiert sehr gut!

Klar, er tut, als ginge er ganz normalen Dingen nach.

Oh, er schließt sein Fahrrad an.

Ja, ja – Bursche, wir verstehen dich!

Was will so jemand beim Bäcker?

Wollen mal näher gehen.

Ich frag mal noch die beiden Frauen vom Café.

Sicher ist sicher.

Wenn wir zu fünft auf so jemanden losgehen,

da kann nicht viel schief gehen!

Im Park spielen Kinder.

Die sind bestimmt dabei. Ich frage sie mal.

Wunderbar, sie kommen mit!

Wir sind jetzt mindestens zehn sehr verschiedene Menschen,

mal sehen wie der Psycho ... .

Stopp, wartet!

Er schaut in unsere Richtung,

hält kurz inne,

geht aber trotzdem zum Bäcker rein!

Er wird doch nicht … ?

Scheiße!

Wenn der jetzt durchdreht?

Wir brauchen mehr Leute!

Okay, zwei Möbelpacker schließen sich uns an.

Wir müssen jetzt schnell sein.

Schnell und stark!

Wir sind viele, er ist einer.

Im Bäcker ist sonst niemand.

Wir stürmen rein, stellen uns eng, alle Augen auf ihn!

Jetzt, ja, jetzt bekommt er Panik!

Er rudert mit seinen Armen, will wohl fliehen?

Aber nicht mit mir, Freundchen!

Ich packe ihn bei den Armen, drehe ihn um, drücke ihn an die Wand

und treibe ihm mein rechtes Knie in seinen schmalen Rücken und brülle:

Verpiss dich zurück nach Syrien, du krankes Schwein!“


Bar Romantik                                                                                            

Sie tritt ihm auf den Fuß:

Hey! Soll ich mich vielleicht ein bisschen dort drüben hinsetzen?“

Wieso denn!?“

Weil du seit fünf Minuten dort hinüber starrst!“

Dort sitzt aber eine schicke Frau.“

Du, ich weiß, dass dort eine Frau sitzt!“

Warum willst du dich zu ihr setzen?“

Damit du mich mal ein bisschen anschaust!“

Na, entschuldige mal, vielleicht gefällt mir die Frau dort drüben besser!?“

Oh, ja - und warum gehst du dann mit mir aus!!?“

Vielleicht, weil es sich gut mit dir reden lässt?!“

Ach, du guter Gott! Und warum reden wir dann nicht!!?“

Das kann ich dir schnell sagen: Mir ist nicht immer nach reden!

Dir ist ja schließlich auch nicht immer nach Sex, oder!?“

Ach, daher pfeift der Wind!? Du willst mehr Sex!!“

Quatsch! Ich will einfach anderen Sex!“

Was für anderen Sex!?“

Sex mit anderen.“


 

 

Mit Spaß Geld verdienen


Katrin stürmt ins Wohnzimmer ihrer Eltern und umrennt ein ganzes Mal das darin befindliche Bügelbrett mitsamt ihrer darauf bügelnden Mutter. Von euphorischer Energie durchdrungen hopst sie verträumt hoch und runter:

Mutti, Mutti! Ich habe es in einen Porno geschafft! Ja,ja,ja!“

Das ist ja toll! Da komm mal zu mir herum.“

Katrin wackelt um das Bügelbrett herum und umarmt mit geschlossenen Augen und einem stolzen Lächeln ihre etwas kleinere Mutti.

Mutti, meine ersten vierzig Euro!“

Der Mutter steht die Rührung bis zum Hals.

Ich weiß, du bist toll. W-w-wieso hast du das eigentlich geschafft.“

Ach, das war gestern beim Festival, ich hatte schon bissel was drinne. Da kamen so zwei Männer und fragten, ob ich bei einem extremen Partymovie mitmachen will. Und, was soll ich groß sagen, schön, wie ich nun mal bin - jedenfalls wusste ich ja gleich, was die meinten.“

Ich hoffe bloß... , ich meine, du hast doch... ?“

OK, das vielleicht nicht. Aber!“

Katrin! Ich sag dir, wenn du schwanger wirst! Verdammte Scheiße, dein Kind wird vielleicht nie den Vater kennen! Wenn es dich... .“

Ach, Muttilie! Mach dir doch bitte keine Sorgen. Es wird schon nichts passiert sein. Außerdem könnte ich ihm später auch einfach eine Geschichte erzählen. Wie die, wo du mal gesagt hast, das da ist mein Vater.“

Katrin zeigt auf etwas, was sich nicht so leicht beschreiben lässt.

 


Gäste  


Au!“

Was?“

Du hast mir auf den Kopf geschlagen!“

Blas weiter.“

Au!“

Da war eine Fliege.“

Lass das sein. Es tut mir weh.“

Okay, ist gut.“

Sag mal, du liebst mich nicht richtig, oder?“

Jetzt, bitte!“

Nein! Blas selber!“

Es ist ja dein Geburtstag, oder?“

Die Gäste kommen gleich. Du einen und ich einen. Komm!“

Pfff! Luftballons. Wirst wohl heute sechzehn?“

Nee! Aber ich finde es schön bunt so!“

Und bunt schön, oder was? Überhaupt! Schau mich mal an!“

Ja?“

Kacke!“

Bitte?“

Komm mal mit!“

Er nimmt sie bei der Hand und führt sie ins Bad.

Da, schau mal in den Spiegel!“

Ja?“

Ich habe dich doch vor zwölf Jahren kennen gelernt.“

Ja, und?“

Und warum siehst du dann aus, als wäre es zwanzig Jahre her?“

Mies! Du bist richtig fies, du! Zweimal, Ja? Zweimal!“

Sie beißt sich auf die Zähne.

Was denn?“

Ich habe zweimal für dich abgetrieben. Das macht halt fertig, du Drecksack!“

Er hält ihr den Mund zu.

Mh! Mhhh!“

Jetzt sei mal leise! Ich höre Kieselsteine. Es kommen Gäste.“

Ihre Augen funkeln.

Hast du ein Glück!“

___

Es folgen acht Gedichte aus René Seim "Spielereien einer vielschrötigen Flöte"                                             ISBN: 978-3-00-059380-2



Gedichte aus René Seim "Spielereien einer vielschrötigen Flöte" ISBN: 978-3-00-059380-2


Mauerbruch


Wenn mein Kopf platzt

und ich nicht weinen kann,

brauch ich einen Satz,

den ich zum Spaß ersann!


Oder, ich schmetter ´nen Chanson,

lieg ich mit der Welt im Krieg!

Bin ich voll Wut und Aggression,

brauch ich einen Baum, den ich verbieg!


Oder deine warme, weiche Wange,

an der ich mich nächtens niederlege.

Wo ich ohne Angst und Bange

Pläne für die weite Zukunft hege.


Denn durch ´s Liegen lösen sich:

Kopfschmerz, Wut und Trauer,

auch hilft ein „Ich brauche dich!“,

und schon zerbricht die Mauer.



Unsre Leben sind aus Lust entstanden!


So ein Glück, dass wir uns fanden,

in jedem Herzen tobt ein wildes Kind.

Das Leben ist aus Lust entstanden,

so lass uns jubeln bis wir fliegend sind!


Lass uns träumen, nur nicht hadern,

sonst ersticken wir an Hirngedärmen.

Der Städte Straßen sind wie unsre Adern,

die die kalte, weite Welt erwärmen.


Nimm noch Sonne, nimm noch Wege

und hole dir ein fremdes Lächeln ab.

So ein echtes Leben hält recht rege,

man vergisst so leicht den Weg ins Grab.


Unsre Leben sind aus Lust entstanden,

komm, lass uns fliegen bis wir jubelnd sind!

Es ist ein Glück, dass wir uns fanden,

in unsren Herzen überlebt das wilde Kind!



wach alleine

 

Nachts, als ich

schrie, schwieg und weinte,

verfing sich

der kalte, kahle Gedanke,

dass ich mich zum Ende neigte.


Wach alleine fror ich

unter dünner, schmaler Decke,

bis mich schließlich

Hoffnung aus der Trauer weckte.


Denn das Leben kommt nicht gleich zum End,

weil etwas schwindet, das man innig liebt und kennt.

Das Leben wird nur dann ein endlos Ende finden,

wenn man nichts mehr neu beginnt.


Denn das, was alles vor mir liegt,

will sich noch mit mir vereinen.

Der Morgen hat die Nacht besiegt, die Sonne will mir scheinen!



Hass ist kein Schmetterling!
  

Sie liebten den Mief
fremder Schmerzen.
Sie schielten schief
aus kohlem Herzen.

Sie hatten Angst vor Licht
und hockten in Ecken.
Sie wähnten sich kritisch
und spielten doch nur Verstecken!

Ihr Leben glich
dem Kriech einer ewigen Raupe,
denn Hass ist kein Schmetterling!
Oh, elendig ihr Leben verging:
Am Boden, im Staube.

 


 

Stell dir vor, es ist Krieg!

  

Stell dir vor, es ist Krieg

und in dem ganzen unwetterlauten Wirrwarr

gelingt es dir ein paar Sekunden lang

nur für dich sein zu können.


In denen du dich erinnerst,

dass du dich vor zwei Monaten

nicht entscheiden konntest,

ob du an deinem freien Nachmittag

lieber ins Waldbad schwimmen fahren solltest,

oder doch lieber mit Marco Film schauen würdest.

Und jetzt erlischt auch noch die Chance

diese Erinnerung zu bedauern, odersich an ihr zu erbauen,

weil du schon wieder fliehen musst,
aber wieder nicht weißt:

 

Wohin!?!

 

 

Mach dich mal locker!

 

Mach dich mal locker,
spring mal zur Seite,
oder gehe vom Wege ab!

 

Mach mal den Rocker,
verweb zehn Pfund Seide,
und schneid ihr die Haare ab!

 

Mach mal den Hocker,
rede mit einer Weide,
und siehe,
das wirft dir die Seele ab!

 

Geh mal spazieren,
am Besten auf allen Vieren,
du wirst nur Tränen verlieren.

 

Geh mal zu Tieren,                                                                                                                                        und lass von den Bieren,                                                                                                                             Angst kann man durchaus verlieren.

 

Und lass auch das Stieren,
denn schöne Frauen verlieren
das Interesse an entherzten Tieren.

 

 

Dröhnen

 

Der Himmel, der ist zugefroren,
dahin wag ich keine Blicke mehr!
Auch die Sonne scheint verloren,
trübe starr´ ich, kalt und leer.


Der Wind pfeift kalt durch alle Ritze,
als stürzte ich vom allerletzten Fest.
In meinem Kopf dröhnt feuchte Hitze,
wie von einem Fäulnisnest.

 

Abgas streicht mir durch die Beine,
wie eine tollwutskranke Katze.

Beschaut mich einer, wie ich weine,                                                                                                         halte ich die Luft an - und zerplatze!

 

 

 

Honigpo

 

 

Die Sonne hat mich heut hinausgesogen,
sie nahm mich bis ins Frühlingsblühen mit.
Mir ist sie Freund und ewig auch gewogen,
denn sie löscht das Gift, egal an was ich litt.

 

Sie trieb den Regen aus den alten Poren
meiner viel zu engen, grauen, kalten Haut!
Auch war mein Geist schon halb verdorren,
ich hab mich kaum vor´ s Haus getraut!

 

Doch die Kraft vom hellen Himmel her,                                                                                               machte mich so munter, malte mich so froh.                                                                                               Ich grüßte lustig heut ein ganzes Vogelheer                                                                                             und träumte amüsiert von einem Honigpo.

____

 

zum Anhören von spontanen Sprechbeispielen geht es hier entlang:

 

 

Textbeispiele

Um die Gedichte zu lesen, scrollen Sie bitte ein wenig nach unten.

 

BAR ROMANTIK

 

Sie tritt ihm auf den Fuß:

„Hey!! Soll ich mich vielleicht ein bisschen dort drüben hinsetzen?“

„Wieso denn!?“

„Weil du seit fünf Minuten dort hinüberstarrst!“

„Dort sitzt aber eine schicke Frau.“

„Du, ich weiß, dass dort eine Frau sitzt!“

„Warum willst du dich zu ihr setzen?“

„DAMIT du mich mal ein wenig anschaust!“

„Na, entschuldige mal, vielleicht gefällt mir die Frau dort drüben besser!?“

„Oh, ja - und warum gehst du dann mit mir aus!!?“

„Vielleicht, weil es sich gut mit dir reden lässt?!“

„Ach, du guter Gott! Und warum reden wir dann nicht!!?“

„Ja, das kann ich dir schnell sagen: Mir ist einfach nicht immer nach reden!

Dir ist schließlich auch nicht immer nach Sex, oder!?“

„Aha, jetzt versteh ich, du willst also mehr Sex!!“

„Ach, Quatsch! Ich will anderen Sex!“

„Was für anderen Sex!?“

„Sex mit anderen.“

 

 

BOOM BOOM
  

„Du, ich will raus dem Scheiß! Ich habe das Kellnern satt!“

Yvonne kippt sich erhitzt einen großen Schluck Morgentau durch die Zähne.   

"Und was willst du dann tun, du hast ja schon studiert?“                                                          Kevin schüttelt seinen Kopf, zieht eine schiefe Schnute und hebt mit dem Daumen seiner linken Hand Milchschaum vom Glasrand ab.                                                                                        Ich habe bereits nachgedacht, mein Lieber. Ich werde einfach noch eine Ausbildung zur Friseuse anfangen. Und zwar bei Hanni, - du kennst doch noch Hanni!?“

Ja, wir hatten sie in Heidelberg besucht. Die mit den dicken, langen Haaren.“

Oh, Gott, das ist ja auch schon wieder so lange her! Da war ja ständig Mistwetter. Ach, egal - jedenfalls hat deren Mutter einen Friseurladen auf der Prenzelstraße.“

Kevin zieht die Augen zusammen:

Naja, das Wetter war vielleicht ein bisschen diesig, aber wir waren ja eh kaum draußen. Genau genommen saßen wir bloß in Cafés und waren mal da oben wo Goethe thront, oder?“

Ja, du vielleicht! Wir waren mit Hanni ja auch so oft unterwegs, du hast ja immer noch liegen bleiben wollen. Wir haben sogar eine geniale Boutique entdeckt, die hieß Tach, Tuch! - spitze, oder?!“

Bloß zum blöden Bummeln war ich halt zu müde!“

Du bist eigentlich immer zu müde, was stimmt denn jetzt nicht!?“

Der Latte schmeckt nicht! Die haben keine Kümmel drauf gemacht.“

Aber deine Haribos sind runtergefallen, … kuck-kuck!“

Yvonne zeigt neben seinen rechten, roten Sportschuh. Kevin bückt sich und steckt sie sich in seinen Mund.

Äh - Kevin, machst du das immer so!?“

Stimmt, sollte man viel öfter machen.“

Kevin steht auf und geht zum Tresen, wo er sich weitere Haribos geben lässt. Yvonne schaut ihm kopfschüttelnd nach:

War der schon immer so?“

Als er sich wieder zu ihr setzt, oder sich vielmehr in die weichen Polster fallen lässt, reißt ihm die Hose am Hosenstall auf.

Scheiße!“

Yvonne schaut traurig nach draußen:

Ach, Kevin...“

Aber Kevin bekommt nicht mal einen roten Kopf:

Was kann ich dafür? Die kam ja im second hand nicht mal zwanzig Euro. Ich hab die auch schon ein halbes Jahr, glaub ich.“

He, hör mal!“

Yesja! Dazu haben wir im Pinkaclub gerockt!“

Im Café tönt John Lee Hookers „Boom Boom“ aus den Boxen.

Ja, der war tierisch groß! Unten der große Raum mit den zwei langen Tresen für die Diskotussis und für uns oben der Halbkreissaal mit viehischem Rock´n´Roll!“

Kevin nickt:

Ja, aber ich fand´s auch unten cool. Ich habe mich noch nie so frei und locker durch so eine Normalodisko bewegt. Aber es war auch seit vier Jahren das erste Mal.“

Hi,Hi, ich hab dich auch noch nie zu girls just wanne have fun tanzen gesehen.“

Sie kneift ihm in die Seite.

Hey, ich mag den Song! Er ist so hysterisch, frei und fröhlich!“

Mmh, stimmt, aber oben fand ich´s viiiiel besser! Endlich mal ein Club, wo man zu dreckschem Rock´n´Roll tanzen konnte. Es kam ja sogar der pepper spray boogie der Compuslive Gamblers.“

Ja, und André Williams, Detroit Cobras, Deadly Snakes, Gories und die Sonics: döö-dö döö-dö döööö...!“

Und so viel alten, geilen Soul hatte ich auch noch nie gehört. Die Aufnahmen knarrten richtig, und bei den Stimmen hörte man so richtig geil die zerrissenen Herzen und Lungen! Wie viele Zigaretten hattest du eigentlich erschlaucht?“

Kevin schaut skeptisch an die Decke:

Drei? Ja, drei! Eine Tussi hatte mir gleich drei gegeben. Ich hatte einfach wahllos in den Raum auf Leute gezeigt und gemeint: Die Gruppe dort, das sind meine Freunde!“

Yvonne lächelt sanft und schön:

Komm mal her.“

Kevin lehnt seinen Kopf an ihre rechte, nach warmer Ziegenmilch duftende Schulter. Dafür gibt sie ihm einen kleinen Kuss auf seine dunklen Haare.

Aber, auch geil,“

Kevin reißt sich wieder hoch.

der Typ in dem Backsteincafé, der meinte, es wäre zum Prahlen, keinen Fernseher zu Hause zu haben.“

Oh – Gott, ja, der Grauhaarige! Der dachte echt sein Verzicht wäre irgendwie intellektuell. Ha-Ha! Voll das Brot! Genau wie die Typen, die es großartig finden keine Frau zu haben, so als war das ihre eigene Absicht, ha-ha! Aber das Café war echt toll-toll. Es roch so richtig geil nach Mittag, nach Spiegelei und Spinat.“

Kevin nickt erfreut vor sich hin:

Während wir breitarmig Kaffee tranken, yeah!“

Yvonne schaut zur Kellnerin: „Ja, war geil! Die anderen hatten Mittag von der Arbeit und wir waren frei, geilo!“

Kann es bei euch noch was sein?“

Kevin und Yvonne sehen sich kurz in die Augen, dann schaut Yvonne zu der Kellnerin hinauf:

Wir nehmen nochmal das gleiche, … oder sagt man dasselbe? Shit, ich weiß immer nicht, wie rum es richtig ist.“

Die Kellnerin wackelt mit ihrem jungen Kopf freundlich hin – und her.

Also das, was ihr vorhin schon hattet, Morgentau und Latte?“

Genau!“

OK, kommt gleich.“

Die Kellnerin geht ab.

Kevin!?“

Ja?“

Was wird denn aus dir?“

Ich kann noch weiter im Gitarrenladen arbeiten. Ich bekomm da ja auch Technik billiger, und durch das

Prospekteverteilen komme ich auch ganz gut hin. Nur richtig Urlaub geht halt nicht, aber das ist nicht so schlimm.“

Kevin schaut ernst aus dem Fenster.

Und dein Städtereisen?“

Ja, würde ich gern wieder machen, aber jetzt brauch erstmal die Ruhe der eigenen Stadt.“

Yvonne streicht mit ihrem Handrücken sanft an seiner Wange entlang:

Und was ist mit Katrin? Hat sie sich wieder gemeldet?“

Nee! Da ist jetzt ganz Ruhe. Ist auch gut so. Du, ich muss jetzt mal langsam los.“

Aber wolltet ihr nicht noch manchmal was zusammen machen?“

Aber ich bin doch nicht der Kumpel meiner Ex! Habe ich noch nie gekonnt und nie gewollt und werde ich auch nie sein! Das geht auch gar nicht, sonst war´s ja auch keine richtige Liebe. Das Thema nervt auch!“

Und hast du denn schon was neues?“

Nee, keinen Bock! Ich brauch mich erstmal bloß selber. Ich glaube, ich brauche einfach Zeit, außerdem will ich mich ja auf die Musik konzentrieren.“

Yvonne stupst ihm in die Seite.

Heeee – jetzt sei nicht traurig! Weißt du noch den Witz von Jockel?“

Ja! Was braucht...“

Was braucht eine gute Band!?“

„„Einen frisch verlassenen Sänger!““

 

Gedichte

 

Chauffeur Pink

Ich habe mir heute Blumen gekauft                                                                                        und meine Nase gleich hineingehangen.                                                                      Hab darinnen meine Trauer ersauft                                                                                        und spontan ein neues Leben angefangen!

Ich habe heute an meiner Zukunft gebaut                                                                             und der Gegenwart den Rücken verdreht.                                                                          In meinem Hirn wächst schönstes Sonnenkraut,                                                   während Wind durch meine Ohren weht.

Ich habe heute das Vergangene begraben,                                                              damit ich gut darauf gehen kann.                                                                                    Ja, was ist schon interessant an Raben,                                                                                mich chauffiert ein stolzer Pelikan!?!                

                                                

[aus dem im April 2016 erschienenen Gedichtband „Spielereien einer vielschrötigen Flöte“]

 

Jessica

Jessica joggte heute Morgen                                                                                      durch romantisch schöne Gassen,                                                                               nichts mahnte sie an ihre Sorgen,                                                                                 die Plichten hat sie liegen lassen. 

 

Sie genoss das warme Sonnenlicht                                                                                und sah dem Leben beim Erwachen zu.                                                                   Keiner hielt hier über sie Gericht,                                                                                 der helle Morgen gab ihr Lebensruh´.

 

Ganz anders ist ´s in ihrem Neubaublock,                                                                     wo die stille Post zigtausend Angestellte hat.                                                             Trägt sie blanke Beine unter ´m kurzen Rock,                                                                        ruft man gleich „Biene Fleiß von Blumenstadt“.

 

Verlässt sie bunt gelaunt ihr Neubauhaus                                                                       wackeln schattig zwanzigfach Gardinen.                                                                Schnell schrumpfte sie da gern zu einer Maus,                                                    Nervosität zeigt sie im Spiel der Minen.

 

Oft erwog sie schon woanders hinzugehen,                                                                        doch wie steht hier grün der Mai so schön!                                                                            Sie wird lernen über andere hinwegzusehen,                                                                       bläst deren Wind auch wie ein böser Fön!

 

Solche Leute kommen nicht besonders ´rum,                                                               die wohnen mit sich selbst verstaut.                                                                             Die leben still und grau – und sterben stumm!                                                      Niemals laut – und nie etwas getraut.


 

[aus „Bunte Hunde, wilde Vögel, Teil 2, schiefe Schafe“, Windlustverlag 2014]

 Löwin  

 

Sie ist die Königin im Kunstcafé,                                                                                      ihre reife Fülle hält die Stille an.                                                                                    Ich äß´ so gern mit ihr Vanillgelee,                                                                                         doch ich trau mich nicht heran!

 

Sie ist die Löwin, der sich keiner traut,                                                                        ihre Stärke macht mich schwach!                                                                                  Sie ist der Wahn, wo mir vor ´m Ende graut!                                                             Mein Herz durchtönt ein zäher Krach.

 

Beim Gehen nimmt sie stets die Sinne mit,                                                                   oh, alles Schöne wird so welk und blass!                                                                      Wie wenn ich unter heißem Fieber litt,                                                                                 wird ´s mir vom Fuße bis zur Stirne nass!

 

Striff ein Blick von ihr den meinen,                                                                              würd ich stolz im Glück zerspringen.                                                                     Derselbe Blick ließ mich auch weinen,                                                                             im Herzen würde WAITS erklingen … 

 [aus „Bunte Hunde, wilde Vögel“, Windlustverlag 2012)